Bürgershof
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Geschichte des Bürgershof

Im 17. Jahrhundert wurde die frühere Kurfürstenstraße (jetzige Waldmüllerstraße) als basaltgepflasterte Achse zum Jagdschloss Glienicke für den damaligen Kurfürsten Friedrich Wilhelm angelegt. Zwischen 1863 bis 1887 sind in Klein-Glienicke zehn Wohnhäuser im Schweizer Stil durch Prinz Carl von Preußen, Bruder von Friedrich Wilhelm IV., errichtet worden. In dieser Zeit erfolgte auch die Bebauung an der früheren Kurfürstenstraße, so auch das ab 1873 entstandene, heute noch vorhandene Altgebäude, das seinerzeit als sog. Stehbierhalle mit Kegelbahn errichtet wurde und die von der eigenen Dampferanlegestelle ankommenden Gäste versorgte. 1886 ist das straßenseitige Hauptgebäude im Florentiner Renaissance-Stil von dem bekannten Potsdamer Architekten W.E. Petzholtz errichtet worden. Mutmaßlich von diesem, im selben Stil, stammt die auf dem nahe gelegenen Böttcherberg stehende Loggia Alexandra. Sie ist in Erinnerung an die Zarin Alexandra, Schwester des Prinzen Claus, errichtet worden und eröffnet einen wunderbaren Blick von Klein-Glienicke über den Tiefen See nach Potsdam.

An dem vis à vis gelegenen Hügelkamm befanden sich ab dem 13. Jahrhundert privat genutzte Weinberge, in denen später auch Obst angebaut wurde. Im Zuge der Schloss- und Parkanlagenbebauung (ab 1845) entstand der heute weitestgehend in seiner ursprünglichen Form wieder hergestellte Schlosspark Babelsberg.

Der Bürgershof ist als Bier- und Weingartenrestaurant seit 1873 ein besonderer Anziehungspunkt für Potsdamer, aber insbesondere auch Berliner Gäste geworden. Der Petzholtz-Bau, als Hotel genutzt, mit einem vorgelagerten Festsaal für 1000 Personen und seiner zum Garten hin ausgerichteten Veranda, der an der Glienicker Lake stehende Musikpavillion und die hauseigene Dampferanlegestelle stellten ein bauliches Ensemble einmaliger Art dar. Mit dem Durchstich der Glienicker Lake zum Griebnitzsee und der Herstellung der Schifffahrtsverbindung als Teil des Teltowkanalausbaus 1906 erfuhr der Bürgershof und Klein-Glienicke als Ausflugsort nunmehr auch für Berliner „Bürger“ eine neue Blüte.

Zur Kaiserzeit, insbesondere nach der Reichsgründung, in den 20er und 30er Jahren und bis zu der kriegsbedingten Einstellung des Biergartenbetriebes 1941 galt der Bürgershof als „anerkannt bestrenommiertes und größtes Etablissement der Umgegend Potsdam“.

Zum Tanz spielte in den Sommermonaten mittwochs und sonntags die Kapelle des Infanterieregiments Nr. 9 auf (Eliteregiment der preußischen Infanterie). Jeden Mittwoch nach dem 1. eines Monats wurde ein großes Elite-Feuerwerk abgebrannt.

Ab 1945 ist das unter Zwangsverwaltung gestellte Unternehmen durch den ostdeutschen „Konsum“ betrieben worden. Die Potsdamer Jugend hat den „Tanzpalast“ noch bis Mitte der 50er Jahre für Jazz- und Tanzveranstaltungen genutzt. Schon nach dem Aufstand vom 17. Juni 1953 waren allerdings die Grenzsicherungsmaßnahmen auch in Klein-Glienicke erheblich verstärkt worden.

Nach dem 13. August 1961 wurden die Grenzbefestigungen mit einer sog. Vorderlandmauer direkt am Uferstreifen der Glienicker Lake und einer sog. Hinterlandmauer, dazwischen mit dem sog. Todesstreifen versehen. Das gesamte Grundstück des Bürgershofs, insbesondere der herrliche alte Baumbestand, wurde gefällt und eine geharkte Sandfläche angelegt, damit Fluchtversuche erkannt und vereitelt werden konnten. In dem stillgelegten Hauptgebäude (Petzholtz-Bau) sollen sich in den 60er Jahren Flüchtlinge versteckt und versucht haben, auf die in die Glienicker Lake einmündenden Transportschiffe (in Richtung Teltow-Kanal/Westberlin) aufzuspringen.

Am 01.12.1970 ist das Bürgershof-Grundstück zum Ausbau der Grenzanlagen nach dem Verteidigungsgesetz der DDR enteignet worden.

Am 15.01.1971 ordnete der Rat der Stadt Potsdam, Abt. Inneres zusammen mit der Kreiseinsatzleitung der NVA Stadtkommandantur Berlin und dem Rat des Bezirkes die Sprengung des Hauptgebäudes/Petzholtz-Bau an. Der Abriss dieses Gebäudes erfolgte durch das dem Ministerium für Staatssicherheit -MfS- unterstehende Autobahnkombinat. Der Petzholtz-Bau ist bis auf die Grundmauern beseitigt, das Gelände eingeebnet, das vorhandene Kellergeschoß verfüllt worden und eine geharkte Sandfläche als Teil der Grenzsicherungsanlagen entstanden. Seitdem klafft zwischen den Grundstücken Waldmüllerstraße 3 und 6 eine 40 m breite Lücke. Als Restbestand blieb mitten im Grenzbereich des heutigen Altbestandes die frühere Bierhalle erhalten.

Am 28.12.1976 wurde die Rechtsträgerschaft auf den Rat der Stadt Potsdam, Abt. Kultur (!) übertragen mit der Begründung „Grundstück wird -ausschließlich- für kulturelle Zwecke genutzt“. Tatsächlich ist lediglich ein Teil des straßenseitigen Altgebäudes als sog. Wohngebiets-Club für die in der Enklave wohnende Bevölkerung (ca. 500 Personen) genutzt worden. Mehr als 90% der Grundstücksfläche war mit Sperranlagen bebauter Mauerstreifen. Noch heute zeugt die auf dem Gelände vorhandene fünfarmige Beleuchtungseinrichtung von dem früheren Grenzanlagencharakter des Grundstückes.

Nach der Wende im November 1989, Frühjahr 1990, sind die vorhandenen Grenzanlagen geschliffen und bis auf die heute noch vorhandene Laterne beseitigt worden. Diese ist letztes sichtbares Zeichen der vormaligen Grenzanlagen. Sie soll in Erinnerung an die wechselvolle Geschichte des Bürgershof-Grundstückes erhalten bleiben.

1990 stellten die vormaligen Eigentümer einen Antrag nach dem VermG auf Rückübertragung des Grundstückes.

Am 26.06.1992 wurde auf Antrag der Stadt Potsdam ein sog. Vermögenszuordnungsbescheid für das Bürgershof-Grundstück erteilt und die Stadt Potsdam als Eigentümer eingetragen mit der objektiv falschen Begründung, das -gesamte- Grundstück (!) sei bis 1990 als Wohngebiets-Club genutzt worden.

1998 ist der Antrag der Alteigentümer auf Rückübertragung des Bürgershof-Grundstückes abgewiesen worden mit der -zuvor vom Bundesverwaltungsgericht bestätigten- Rechtsauffassung, Enteignungen nach dem VertG der DDR zur Errichtung von Grenzanlagen stellen kein „teilungsbedingtes Unrecht“ dar und somit keinen unter das VermG fallenden Schädigungstatbestand(!) Aus Empörung gegen diese Rechtsprechung bzw. Rechtslage im Vermögensgesetz hatte der Deutsche Bundestag bereits im Juli 1996 das Mauergrundstücksgesetz verabschiedet, worin ein Rückkauf der enteigneten Mauergrundstücke geregelt ist

2002 wurde der rechtswidrige Vermögenszuordnungsbescheid zugunsten der Stadt Potsdam aufgehoben und die Bundesrepublik Deutschland (insoweit als Rechtsnachfolger der DDR und zuständig für nach dem VertG enteignete Grundstücke) Eigentümer.

Am 19.02.2002 -12 Jahre nach der erstmaligen Geltendmachung der Rückgabe durch die Alteigentümer- erfolgte der Rückerwerb des Grundstückes nach dem Mauergrundstücksgesetz.

Nach umfangreichen Umbau- und gärtnerischen Wiederherstellungsmaßnahmen sind die öffentlich-rechtlichen Genehmigungen zum Betrieb des Bier- und Heurigengartens Bürgershof im Sommer 2003 erteilt worden. Insbesondere die gärtnerische Gestaltung der Rasenflächen, Hecken, Sträucher und Bäume, aber auch die Anzahl und Farbe der Sonnenschirme erfolgte auf denkmalrechtliche Anordnung.

Nach restaurativer Wiederherstellung der früheren Stehbierhalle konnte ab Sommer 2004 der Restaurant- und Veranstaltungsbetrieb in der bis zu 120 Personen fassenden, lichtdurchfluteten Halle wieder aufgenommen werden.

Die Wiederherstellung des 1971 gesprengten Hauptgebäudes, vom Potsdamer Architekten W.E. Petzholtz im Florentiner Renaissancestil errichtet, wurde seit 2003 bei den zuständigen Potsdamer Behörden beantragt. Baurechtlich als zulässig befunden, lehnte die Potsdamer Denkmalspflege und die Schlösserstiftung die Wiedererrichtung des Altgebäudes unter Hinweis auf die Regelungen des UNESCO-Weltkulturerbes, denkmalrechtliche Belange, insbesondere Beibehaltung von Sichtachsen usw. ab. Nach fünfjährigem Rechtsstreit hat im Februar 2008 das Potsdamer Verwaltungsgericht den Klagen der Bürgershof GmbH stattgegeben und festgestellt, dass der Wiedererrichtung des 1971 gesprengten Haupthauses und des vorgelagerten Festsaales oder einer vergleichbaren Bebauung keine denkmalrechtlichen Gründe entgegenstehen.

Jetzt kann die durch den Mauerbau bewirkte Sprengung des Haupthauses und dadurch seit 1971 bestehende, klaffende Baulücke zwischen der ansonsten geschlossenen Bebauung an der Waldmüllerstraße beseitigt und der frühere, seit 1886 bis 1971 dort vorhandene Bauzustand wiederhergestellt werden.

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